Was passiert mit den Schulden bei einer Erbengemeinschaft?

Jedes Mitglied der Erbengemeinschaft haftet für die vollen Schulden des Erblassers, § 2058 BGB. Also kann sich der Gläubiger an jeden einzelnen Erben wenden und von diesem die Zahlung verlangen. Er kann sich aber auch gemäß § 2059 Abs. 2 an den Nachlass insgesamt wenden, also die Zahlung durch die gesamte Erbengemeinschaft verlangen. Fällt also bspw. ein Konto des Erblassers an die Erbengemeinschaft, hat ein Gläubiger auch darauf Zugriff.

Wann beginnt die Ausschlagungsfrist, wenn man selbst erst durch Ausschlagung anderer Personen Erbe geworden ist?

Die Frist beginnt, sobald man von der Ausschlagung erfahren hat. Dabei sollte man nicht auf eine offizielle Mitteilung (z.B. seitens des Nachlassgerichts) warten, auch jede privat erlangte Kenntnis, z.B. durch Gespräche im Familienkreis, ist ausreichend.

Zusätzlich wird man wohl noch fordern müssen, dass dem nun berufenen Erben bewusst ist, dass er dadurch Erbe wird. Dabei ist aber auf das natürliche Bewusstsein („Wenn mein Vater das Erbe nicht annimmt, dann wird es wohl mich treffen“) und nicht etwa auf detaillierte Paragraphenkenntnis abzustellen.

In Zweifelsfällen sollte man stets rechtzeitig ausschlagen, wenn man davon ausgeht, Schulden zu erben.

Wann beginnt die sechswöchige Frist für die Ausschlagung der Erbschaft bei gewillkürter Erbfolge?

„Die Frist beginnt mit dem Zeitpunkt, in welchem der Erbe von dem Anfall und dem Grund der Berufung Kenntnis erlangt.“ (§ 1944 Abs. 2 Satz 1 BGB) Zu diesem Grundsatz kommt bei gewillkürter Erbfolge (also durch Testament oder Erbvertrag) noch das Erfordernis des Satzes 2 hinzu, wonach die Frist erst durch Bekanntgabe des Testaments oder Erbvertrags seitens des Nachlassgerichts beginnt. Dies geschieht regelmäßig durch Eröffnung des Testaments gemäß § 2260 Abs. 2, diese wirkt aber nur gegen die Geladenen.

In Zweifelsfällen sollte man stets rechtzeitig ausschlagen, wenn man davon ausgeht, Schulden zu erben.

Wann beginnt die sechswöchige Frist für die Ausschlagung der Erbschaft bei gesetzlicher Erbfolge?

„Die Frist beginnt mit dem Zeitpunkt, in welchem der Erbe von dem Anfall und dem Grund der Berufung Kenntnis erlangt.“ (§ 1944 Abs. 2 Satz 1 BGB) Das bedeutet bei gesetzlicher Erbfolge, dass man vom Tod des Erblassers eingermaßen zuverlässig erfahren haben muss. Außerdem muss man sich darüber im Klaren sein, dass man mit der Person verwandt ist. Sie beginnt nicht, wenn man begründete Zweifel daran hat, tatsächlich zu erben, insbesondere also eine Enterbung durch Testament im Raum steht.

In Zweifelsfällen sollte man stets rechtzeitig ausschlagen, wenn man davon ausgeht, Schulden zu erben.

Wer bestimmt, was mit den Sachen des Erblasser passiert?

Aufgrund der gesetzlich angeordneten Gesamtrechtsnachfolge rücken die Erben in die Position des Erblassers ein. Sie entscheiden also (ein Alleinerbe alleine, mehrere Erben gemeinsam) auch über Verkäufe von Gegenständen, die Vermietung von Wohnungen, die Bezahlung von Schulden usw.

Was ist die Erbenstellung?

Der Erbe tritt in alle Rechtspositionen, Rechte und Pflichten des Erblassers ein. Er erbt also Vermögen, Schulden und Verbindlichkeiten – entweder komplett oder zu einem gewissen Bruchteil. Das Gesetz bezeichnet dies als „Gesamtrechtsnachfolge“ (§ 1922 BGB)

Dagegen ist man als Pflichtteilsbezieher oder Vermächtnisnehmer kein Rechtsnachfolger, sondern hat lediglich einen Anspruch auf Geld oder eine Sache, ansonsten aber nichts mit dem Nachlass zu tun.

Hafte ich als Erbe für alle Schulden des Erblassers?

Ja, und zwar grundsätzlich unbegrenzt und mit dem gesamten Privatvermögen. (§ 1967 Abs. 1 BGB)

Haben Sie den Verdacht, dass die Erbschaft überschuldet ist (also mehr Nachlassverbindlichkeiten als Vermögen vorhanden sind), sollten Sie sofort einen Anwalt kontaktieren, der Sie über Ihre Möglichkeit aufklärt.