Soll ich mein Vorkaufsrecht am Miterbenanteil ausüben?

Das ist eine sehr diffizile Entscheidung, die Sie nur nach anwaltlicher Beratung unter Berücksichtigung aller Umstände treffen sollten. Prinzipiell kann es zur Befriedung der Erbengemeinschaft führen, wenn möglichst wenige Miterben mitreden. Soll der Anteil an eine familienfremde Person verkauft werden, droht neues Konfliktpotential, das man durch den Vorkauf verhindern kann. Falls Sie aber zum Vorkauf einen Kredit aufnehmen müssen oder sonst die Gefahr besteht, sich finanziell zu übernehmen, muss die Entscheidung umso besser abgewogen werden.

Was ist, wenn ein Mitglied einer Erbengemeinschaft Geld braucht?

Jeder Miterbe kann seinen Erbanteil verkaufen. (§ 2033 BGB) Er verkauft damit also nicht einzelne Gegenstände (über die er ja eh nicht verfügen kann), sondern die Erbstellung an sich. Der Käufer des Erbanteils wird dadurch Teil der Erbengemeinschaft.

Um zu verhindern, dass fremde Personen über das Erbe mitbestimmen, steht den anderen Erben ein Vorkaufsrecht am Erbanteil zu.

Wie sehen die Stimmanteile in der Erbengemeinschaft aus?

Die Erbengemeinschaft entscheidet durch Beschluss, wobei jeder eine seinem Anteil am Erbe entsprechende Stimme hat. § 2038 Abs. 2 verweist für die Erbengemeinschaft auf die normale Gemeinschaft des BGB, wobei § 745 Abs. 1 Satz 2 eine entsprechende Stimmgewichtung vorsieht.

Beispiel: A erbt zu drei Siebteln, B zu zwei Siebteln, C und D zu jeweils einem Siebtel. A und B haben eine Mehrheit von 5/7, A und C oder D von 4/7. Soll A überstimmt werden, müssen sich B, C und D einig sein, denn nur dann haben sie zusammen eine Mehrheit von 4/7.