Kann ich durch den Erbverzicht meine Kinder begünstigen?

Nein, denn der Erbverzicht erstreckt sich auch auf die Abkömmlinge des Verzichtenden:

§ 2349 Erstreckung auf Abkömmlinge

Verzichtet ein Abkömmling oder ein Seitenverwandter des Erblassers auf das gesetzliche Erbrecht, so erstreckt sich die Wirkung des Verzichts auf seine Abkömmlinge, sofern nicht ein anderes bestimmt wird.

Diese Regelung zeigt wiederum die Regelung der Erbfolge „nach Stämmen“.

Kann ich die Ausschlagung für mich und meine minderjährigen Kinder gleichzeitig abgeben?

Ja, dies ist in aller Regel sogar kostengünstiger. Man sollte also zusammen mit dem anderen Elternteil (sofern dieser ebenfalls sorgeberechtigt ist) zum Nachlassgericht gehen und dort sowohl im eigenen Namen als auch (dann zusammen mit dem anderen Sorgeberechtigten) für das Kind die Ausschlagung erklären. Die meisten Nachlassgerichte werten dies dann nur als eine Erklärung und verlangen die Gebühr dementsprechend nur einmal.

Wie kann ich für meine minderjährigen Kinder die Erbschaft ausschlagen?

Die Ausschlagungserklärung müssen beide Erziehungsberechtigte für die Kinder erklären. Bei alleinigem Sorgerecht reicht natürlich die Erklärung dieses Elternteils aus. Die Erklärung ist in jedem Fall gegenüber dem Nachlassgericht abzugeben.

Sofern das Kind nur deshalb erbt, weil ein Elternteil selbst ausgeschlagen hat, können die Eltern die Erklärung einfach in der oben beschriebenen Form abgeben. Ansonsten, wenn also das Kind aus eigenem Recht geerbt hätte, bedarf die Ausschlagung der Genehmigung durch das Familiengericht, § 1643 Abs. 2 BGB.

Erben meine Kinder, wenn ich eine Erbschaft ausschlage?

Bei gesetzlicher Erbfolge dürfte das in aller Regel der Fall sein. Gemäß § 1953 Abs. 2 wird der Ausschlagende so behandelt, als wäre er selbst vor dem Erbfall schon gestorben. Damit treten gemäß § 1924 Abs. 3 BGB die Nachkommen des Ausschlagenden an seine Stelle, in erster Linie also die Kinder.

Daher müssen auch die Kinder möglichst sofort ausschlagen. Bei minderjährigen Kindern muss man die Ausschlagung für sie erklären.

Was ist ein Berliner Testament?

Das ist eine alte (an sich nicht korrekte) Bezeichnung für ein gemeinschaftliches Testament, bei dem sich zwei Ehegatten zunächst gegenseitig als Alleinerben einsetzen, wobei nach dem Letztversterbenden dann die Kinder erben sollen. Ein solches Testament ist steuerlich in der Regel sehr ungünstig.

Wer erbt anstelle einer für erbunwürdig erklärten Person?

Der Erbunwürdige wird hinsichtlich der Erbschaft so behandelt als wäre er tot (§ 2344 Abs. 2 BGB). Wenn er Nachkommen hat, erben diese also an seiner Stelle.

Bsp.: Die Geschwister A, B und C beerben ihre Mutter M. Jeder erbt also zu einem Drittel. Wird A für erbunwürdig erklärt, treten an seine Stelle seine Kinder X und Y, die nun zu jeweils einem Sechstel erben; für B und C ändert sich nichts. Hat A aber keine Kinder, so bleiben nur noch B und C als Erben übrig, von denen nun jeder die Hälfte bekommt.

Was ist ein Pflichtteil?

Ein Pflichtteil ist eine Barabfindung für bestimmte Personen, die eigentlich gesetzliche Erbe geworden wären, aber aufgrund einer Verfügung des Erblassers von der Erbfolge ausgeschlossen („enterbt“) wurden. Dies gilt aber nur für Kinder und andere Nachkommen (§ 2303 Abs. 1) sowie für Eltern und Ehepartner (§ 2303 Abs. 2 BGB). Geschwister haben also z.B. kein Pflichtteilsrecht.

Voraussetzung ist aber, wie gesagt, dass diese Person nach den gesetzlichen Bestimmungen Erbe geworden wäre. So können Enkel in aller Regel keinen Pflichtteil beanspruchen, da an ihre Stelle ihre Eltern als Erben der ersten Ordnung treten.