Was ist das Anfallprinzip?

Als Anfall bezeichnet § 1942 Abs. 1 BGB den Übergang der Erbschaft auf den Erben. Der Anfall geschieht dabei kraft Gesetzes, das Erbe muss also nicht angenommen werden oder der Anfall durch irgendeine Erklärung herbeigeführt werden.

Im Moment des Anfalls (also mit dem Tod des Erblassers) steht allerdings der Erbe normalerweise noch gar nicht fest. Es ist schon nicht klar, ob ein Testament besteht, ob ein solches gültig ist, ob die Erben ausschlagen etc. Trotzdem wirkt die spätere rechtskräftige Feststellung des Erben auf den Erbfall zurück, der Anfall geschieht also immer sofort. Das Eigentum am Vermögen des Erblassers geht also sofort von diesem auf den Erben über, eine Schwebelage entsteht so nicht.

Wie kann ich eine Erbschaft ausschlagen?

Die Ausschlagung einer Erbschaft erfolgt grundsätzlich gegenüber dem Nachlassgericht (§ 1945 Abs. 1 BGB). Zudem gilt eine sechswöchige Frist gemäß § 1944 Abs. 1. Wenn Sie überlegen, eine Erbschaft nicht annehmen zu wollen, sollten Sie sich unbedingt schnellstens kompetent juristisch beraten lassen.

Muss man eine Erbschaft annehmen?

Nein, eine explizite Annahmeerklärung ist nicht erforderlich. Wer nicht innerhalb von sechs Wochen die Erbschaft ausschlägt, hat sie automatisch angenommen (§§ 1943, 1944 Abs. 1 BGB). Wenn Sie überlegen, eine Erbschaft nicht annehmen zu wollen, sollten Sie sich unbedingt schnellstens kompetent juristisch beraten lassen.

Wer erbt anstelle einer für erbunwürdig erklärten Person?

Der Erbunwürdige wird hinsichtlich der Erbschaft so behandelt als wäre er tot (§ 2344 Abs. 2 BGB). Wenn er Nachkommen hat, erben diese also an seiner Stelle.

Bsp.: Die Geschwister A, B und C beerben ihre Mutter M. Jeder erbt also zu einem Drittel. Wird A für erbunwürdig erklärt, treten an seine Stelle seine Kinder X und Y, die nun zu jeweils einem Sechstel erben; für B und C ändert sich nichts. Hat A aber keine Kinder, so bleiben nur noch B und C als Erben übrig, von denen nun jeder die Hälfte bekommt.

Hafte ich als Erbe für alle Schulden des Erblassers?

Ja, und zwar grundsätzlich unbegrenzt und mit dem gesamten Privatvermögen. (§ 1967 Abs. 1 BGB)

Haben Sie den Verdacht, dass die Erbschaft überschuldet ist (also mehr Nachlassverbindlichkeiten als Vermögen vorhanden sind), sollten Sie sofort einen Anwalt kontaktieren, der Sie über Ihre Möglichkeit aufklärt.

Wie erbt der Ehepartner?

Der Ehepartner erbt gemäß § 1931 Abs. 1 BGB

  • neben den Verwandten der ersten Ordnung (i.d.R. Kinder) zu einem Viertel,
  • neben Verwandten der zweiten Ordnung oder neben Großeltern zur Hälfte
  • neben anderen Verwandten allein.

Haben die Ehegatten in Zugewinngemeinschaft gelebt, erhöht sich der Anspruch um ein Viertel der Erbschaft, also auf die Hälfte bzw. drei Viertel. (§ 1371 Abs. 1)

Haben die Ehegatten in Gütertrennung gelebt, erbt der überlebende Partner nie weniger als jedes der Kinder, also neben einem Kind die Hälfte und neben zwei Kindern ein Drittel. (§ 1931 Abs. 4)

Wer sind Erben der zweiten Ordnung?

Als Erben zweiter Ordnung bezeichnet das Gesetz die Eltern des Erblassers und deren Abkömmlinge (§ 1925 BGB). Letztere sind also die Geschwister des Erblassers sowie seine Neffen und Nichten sowie ggf. Großneffen und Großnichten.

Auch hier gilt, dass ein näherer Verwandter seine Nachkommen von der Erbschaft ausschließt: Lebt also bspw. der Bruder des Verstorbenen noch, so erbt dieser, nicht aber dessen Kinder.