Was passiert mit den Schulden bei einer Erbengemeinschaft?

Jedes Mitglied der Erbengemeinschaft haftet für die vollen Schulden des Erblassers, § 2058 BGB. Also kann sich der Gläubiger an jeden einzelnen Erben wenden und von diesem die Zahlung verlangen. Er kann sich aber auch gemäß § 2059 Abs. 2 an den Nachlass insgesamt wenden, also die Zahlung durch die gesamte Erbengemeinschaft verlangen. Fällt also bspw. ein Konto des Erblassers an die Erbengemeinschaft, hat ein Gläubiger auch darauf Zugriff.

Soll ich mein Vorkaufsrecht am Miterbenanteil ausüben?

Das ist eine sehr diffizile Entscheidung, die Sie nur nach anwaltlicher Beratung unter Berücksichtigung aller Umstände treffen sollten. Prinzipiell kann es zur Befriedung der Erbengemeinschaft führen, wenn möglichst wenige Miterben mitreden. Soll der Anteil an eine familienfremde Person verkauft werden, droht neues Konfliktpotential, das man durch den Vorkauf verhindern kann. Falls Sie aber zum Vorkauf einen Kredit aufnehmen müssen oder sonst die Gefahr besteht, sich finanziell zu übernehmen, muss die Entscheidung umso besser abgewogen werden.

Wann ist eine Auseinandersetzung sinnvoll?

In aller Regel sobald wie möglich. Eine Erbengemeinschaft führt häufig zu vermeidbarem innerfamiliären Streit, den man am besten vermeiden sollte. Die Pflicht zur Zusammenarbeit bei gleichzeitiger Wahrung der eigenen Interessen ist für das Verhältnis untereinander selten gut. Nach der Auseinandersetzung hat jeder seinen Vermögensanteil, den er dann nach Belieben verwenden kann.

Müssen die Erben eine Teilungsanordnung befolgen?

In einer Teilungsanordnung gemäß § 2048 BGB kann der Erblasser bestimmen, wer welche Teile des Nachlasses bekommen soll. Dieser Anordnung ist aber nicht bindend, wenn die Erbengemeinschaft (einstimmig) eine andere Aufteilung beschließt. Niemandem soll etwas aufgedrängt werden, wenn er selbst zustimmt, dass es ein anderer bekommt. Denn dieses Ergebnis könnte ja sonst auch durch Verkauf oder Tausch erreicht werden.

Was ist, wenn ein Mitglied einer Erbengemeinschaft Geld braucht?

Jeder Miterbe kann seinen Erbanteil verkaufen. (§ 2033 BGB) Er verkauft damit also nicht einzelne Gegenstände (über die er ja eh nicht verfügen kann), sondern die Erbstellung an sich. Der Käufer des Erbanteils wird dadurch Teil der Erbengemeinschaft.

Um zu verhindern, dass fremde Personen über das Erbe mitbestimmen, steht den anderen Erben ein Vorkaufsrecht am Erbanteil zu.

Wie sehen die Stimmanteile in der Erbengemeinschaft aus?

Die Erbengemeinschaft entscheidet durch Beschluss, wobei jeder eine seinem Anteil am Erbe entsprechende Stimme hat. § 2038 Abs. 2 verweist für die Erbengemeinschaft auf die normale Gemeinschaft des BGB, wobei § 745 Abs. 1 Satz 2 eine entsprechende Stimmgewichtung vorsieht.

Beispiel: A erbt zu drei Siebteln, B zu zwei Siebteln, C und D zu jeweils einem Siebtel. A und B haben eine Mehrheit von 5/7, A und C oder D von 4/7. Soll A überstimmt werden, müssen sich B, C und D einig sein, denn nur dann haben sie zusammen eine Mehrheit von 4/7.