Wie wirkt sich der Widerruf eines Widerrufs aus?

Wird ein Widerruf eines Testament widerrufen, so treten die ursprünglichen testamentarischen Bestimmungen wieder in Kraft, § 2257 BGB.

Beispiel:
Erstes Testament: A und B erben zu gleichen Teilen.
Zweites Testament: C erbt an Stelle von B.
Drittes Testament: D erbt an Stelle von A.
Viertes Testament: Zweites Testament wird widerrufen.

Das zweite Testament hatte das erste insoweit widerrufen als B Erbe werden sollte. Dieser Widerruf wurde durch das vierte Testament aber aufgehoben. B bleibt also weiterhin Erbe, er erbt neben D, dessen Erbeinsetzung aus dem dritten Testament unberührt bleibt.

Soll man sein Testament selbst machen oder sich professionelle Hilfe holen?

Diese Frage ist nicht für alle Erblasser gleich zu beantworten.

Dafür, dass man sein Testament auch selbst erstellen kann, spricht unter anderem Folgendes:

  • Das Testament kann auch privatschriftlich erstellt werden.
  • Die Auslegung eines Testaments richtet sich nach dem mutmaßlichen Willen des Erblassers.
  • Für die Auslegung gibt es verschiedene gesetzliche Vermutungen (§§ 2066 bis 2076 BGB), die den typischen Erblasserwillen berücksichtigen.
  • Bei Beauftragung eines Rechtsanwalts oder Notars fallen Gebühren an.

Andererseits sollte man aber auch beachten:

  • Der Erblasserwillen ist äußerst persönlich und lässt sich anhand allgemeiner Auslegungsregeln oft nicht vollständig erfassen.
  • Das Testament wird in aller Regel erst nach dem Tod des Erblassers relevant, also zum einem Zeitpunkt, zu dem man ihn nicht mehr fragen kann.
  • Juristische Laien wissen oft nicht, welche vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten es im Erbrecht gibt.
  • Der Anwalt/Notar kann durch genaue Fragen spezielle Ziele herausfinden, die der Erblasser erreichen will, z.B. die eigene Absicherung im Alter.
  • Unter Umständen kann statt eines Testaments auch ein Erbvertrag ratsam sein. Dieser bedarf aber stets der notariellen Form.
  • Je exakter die Formulierung ist, desto weniger Unklarheiten gibt es schließlich.
  • Man muss stets auch erbschaftssteuerrechtliche Gesichtspunkte beachten, damit möglichst viel vom Erbe erhalten bleibt.

Kann ein Erbe auch gutgläubig erwerben?

Nein, das Vermögen des Erblassers geht von Gesetzes wegen über. Es gibt also im Gegensatz zum rechtsgeschäftlichen Erwerb kein Vertrauen, das geschützt werden müsste. Hat der Erblasser jedoch zuvor etwas gutgäubig erworben und wurde es so Teil seines Vermögens, so wird diese Eigentumsposition selbstverständlich vererbt.

Welche Irrtümer berechtigen zu einer Anfechtung der Annahme oder Ausschlagung?

Auch hier gelten gemäß § 1954 Abs. 1 die allgemeinen Anfechtungsvorschriften.

Bei einem Erklärungsirrtum (§ 119 Abs. 1) ist die Anfechtung bspw. möglich, wenn der Erbe nicht wusste, dass sein Verhalten als Annahme gedeutet wird, obwohl er auch ausschlagen könnte. Bei ausdrücklicher Erklärung der Annahme und bewusstem Verstreichenlassen der Ausschlagungsfrist ist eine Anfechtung dagegen meist sehr schwer zu begründen.

Ein Eigenschaftsirrtum (§ 119 Abs. 2) liegt vor, wenn man sich über die Zusammensetzung der Erbschaft nicht im Klaren war oder nicht wusste, dass der Nachlass mit Rechten Dritter belastet war. Kein relevanter Irrtum ist aber gegeben, wenn man lediglich den Wert der einzelnen Nachlassstücke falsch eingeschätzt hat.

Was ist, wenn ein Mitglied einer Erbengemeinschaft Geld braucht?

Jeder Miterbe kann seinen Erbanteil verkaufen. (§ 2033 BGB) Er verkauft damit also nicht einzelne Gegenstände (über die er ja eh nicht verfügen kann), sondern die Erbstellung an sich. Der Käufer des Erbanteils wird dadurch Teil der Erbengemeinschaft.

Um zu verhindern, dass fremde Personen über das Erbe mitbestimmen, steht den anderen Erben ein Vorkaufsrecht am Erbanteil zu.